The King and I

Brian Billingham

Brian Billingham am Oldenburger Hafen

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Brian Billingham, geboren am 02.04.1938 in Dudley, verließ die Schule mit 15 Jahren und arbeitete bis zur Einberufung in der Clydesdale Stamping Company.

Am Anfang des Wehrdienstes stand ein Gesundheits-Check bei Five Ways, Birmingham an. Man schickte ihn daraufhin im Oktober 1956 zu einer zweiwöchigen Ausbildung (Stiefel und Messing putzen, das Marschieren lernen, etc.) in das Park Hall Camp in Oswestry. Diese zwei Wochen waren die härtesten seiner Armeezeit, so weiß er zu erzählen. Anschließend ging es zur Grundausbildung als Signaller [Funker] zum Kimmell Park Camp in Rhyl, Nordwales. Brian begann den Dienst mit dem niedrigsten Dienstgrad in der Artillerie als Gunner (Gunner-Lance Bombardier-Bombardier-Sergeant, etc.). Im März 1957 versetzte man ihn direkt vom Kimmel Park Camp in Rhyl nach Oldenburg. Die Reise dorthin verlief folgendermaßen: Zug nach London/Woolwich-Kaserne, Zug London Liverpool Street nach Harwich, Fähre nach Hoek van Holland, Zug nach Oldenburg.

In Donnerschwee angekommen, war Brian von der Größe der Kaserne beeindruckt. Man teilte ihm ein Bett in einem Sechsbettzimmer mit anderen Signallern zu. Eingesetzt wurde er zunächst in den Signalling Stores (Materiallager), bis man ihn im Oktober 1957 abkommandierte als Bürokraft (Aktenablage, auch „Top Secret“ Akten, usw.). Bevor er allerdings im Büro anfangen konnte, musste er zunächst einen kurzen Crashkurs „Büroarbeit“ (Clerk training) in der Woolwich-Kaserne in London absolvieren und den Official Secrets Act unterschreiben. Weil das Büro zum Telefondienst auch nachts besetzt sein musste, schlief Brian manchmal dort.              

Er bestätigt das gute Essen in der Kaserne.

Im Mai oder Juni 1957 wurde das gesamte Regiment bis auf eine Notbesetzung in Donnerschwee für drei Wochen nach Todendorf verlegt.

Nach Dienstschluss durfte er die Kaserne in Zivilkleidung verlassen. Er sah sich dann die Geschäfte in Oldenburg an, kaufte sich vielleicht eine Bratwurst, ging am Küstenkanal und Hafen spazieren und bewunderte die Cäcilienbrücke und die Schiffe. Er lernte die Halbschwestern Waltraud Schillinger und Monika Wilhelms kennen, mit denen er manchmal in seiner Freizeit etwas unternahm. Unterhalten haben sie sich in einem gebrochenen Englisch. Auch erinnert sich Brian an Ernst (netter Kerl!), der einen Souvenirladen auf dem Kasernengelände betrieb.

Befragt zum GLOBE, erzählt Brian, dass er ziemlich häufig dort Filme gesehen hat, meistens Cowboy- oder Kriegsfilme. An Elvis Presleys Loving you und Love me tender sowie Die Brücke am Kwai und The King and I erinnert er sich genau. Es war damals in den englischen Kinos und Theatern gang und gäbe, die Nationalhymne God save the Queen vor oder nach der Vorstellung zu spielen, zu der sich alle Besucher erhoben. So auch im GLOBE Oldenburg. Aus finanziellen Gründen ging er lieber ins GLOBE als zum NAAFI Store (Navy, Army und Air Force Institute), denn dort hätte er zu viel Geld ausgegeben, meint er. Die Filme im GLOBE liefen montags bis samstags jeweils für zwei Nächte, am Sonntag nur einmal. Also bestand das Angebot aus vier Filmen wöchentlich. Im Kino durfte geraucht werden (5 Pence für 20 Zigaretten). Eine Bühnenaufführung, die Brian in Erinnerung geblieben ist, war die der Künstlerin Lita Rosa, die zuvor zur Ted Heath Dance Band gehörte.

Ein weiterer Zeitvertreib war für Brian das Lesen von Agatha Christie-Büchern, die er sich beim WVS (Women’s Voluntary Service) in der Stadt auslieh. Beim WVS gab es außer der Bücherei auch einen Interflora Service.

Gegen Ende des Interviews sehen sich John und Brian Fotos an, die im Fotogeschäft Kniep, Kurwickstraße 31, Oldenburg abgezogen wurden. Auf einigen Fotos (siehe englisches Originalinterview) ist die Parade anlässlich des Geburtstages der Queen im Juni 1957 zu sehen, zu der auch die Familien und Kinder der Soldaten eingeladen waren und die ebenfalls in der Kaserne wohnten. Ein anderes Foto zeigt ihn mit dem befreundeten Soldaten Jeff Simmons.

Als Brian Anfang August 1957 Heimaturlaub machte und bei einer befreundeten Familie in Cradley Heath zufällig im Fernsehen die Nachrichten verfolgte, konnte er seinen Augen und Ohren nicht glauben. Der britische Verteidigungsminister kündigte an, dass das 72. Light Anti-Aircraft Regiment aufgelöst wurde. Erstaunt meinte er: „Das ist mein Regiment!“ Natürlich musste Brian noch einmal nach Oldenburg zurückkehren, um die Übergabe der Donnerschwee-Kaserne und den allmählichen Abzug der Briten mit vorzubereiten. Im August 1957 wurde die Kaserne offiziell an die deutsche Bundeswehr übergeben. Von der Rede des Commanding Officers an seine Truppen auf dem Exerzierplatz Donnerschwee erschien ein Foto auf der 1. Seite der Zeitung.

Das Weihnachtsfest 1957 verbrachte er noch gemeinsam mit seinem Freund Jeff Simmons, mit dem er sich mittlerweile ein Zimmer teilte, in Oldenburg. Von den Offizieren eingeladen, sahen sie sich Elvis Presleys Film Loving you an.

Nach der Auflösung in Oldenburg ging es im Februar 1958 für Brian zunächst über Soltau ins Camp Bergen-Belsen. Alle in Oldenburg stationierten Soldaten wurden in andere Camps versetzt, während ihre Frauen sich um den Umzug kümmerten.

Abschließend bemerkt Brian, dass ihm Oldenburg gut gefallen hat (a lovely place) und er es eigentlich bedauert, nicht noch einmal in die Stadt zurückgekehrt zu sein. Nun sei er aber zu alt dafür.

Den Erhalt und die Sanierung des GLOBE findet er eine gute Sache.

Interview vom 1. Juli 2018: Dr. John Goodyear
Übersetzung und Zusammenfassung: Ellen Couzins

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