Das GLOBE war ein Rettungsanker

Andrew MacTavish

Andrew MacTavish (1957)

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Andrew MacTavish wurde geboren am 28.07.1937.

VEr war es, der das vielleicht letzte existierende GLOBE-Kinoprogramm vom Januar 1957 in seinem Album aufbewahrt hat und es an den GLOBE-Forscher Dr. John Goodyear zum Einscannen übergab. Die PDF-Datei ist auf unserer Homepage auf der Unterseite "Historie" zu finden.

Andrew verbrachte während seiner Wehrdienstzeit sechs Monate vom Dezember 1956 bis Mai 1957 in der Donnerschwee-Kaserne (Crerar Barracks) in Oldenburg. Er diente im „44th Heavy Anti-Aircraft Regiment“, in der „46 Talavera Battery“ als Gunner (Dienstgrad).

In der Freizeit, vor allem abends, gab es recht wenig zu tun, da war das GLOBE ein wahrer Lebensretter. Die NAAFI (Navy, Army & Air Force Institute) hatte zwar einen kleinen Spielsaal (Snooker, Tischtennis, usw.) und manchmal wurden auch Sport-Events angeboten, aber dafür war es im strengen Winter 1956/1957 oft zu kalt. Die Innenstadt lag einen guten Fußmarsch entfernt und die meisten Soldaten sprachen kein Deutsch. Also gab Andrew den Großteil seines wöchentlichen Solds (28 Shilling) für Zigaretten (1 Shilling für 20 Zigaretten, max. 20 Stück am Tag) und Kinobesuche aus. Er kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig das Kino für ihn war. Jeder Soldat verschaffte sich damals das aktuelle Kinoprogramm. Die Vorstellungen liefen, falls nicht ein Bühnenauftritt o.ä. dazwischen kam, täglich um 18:00h und 20:30h. An den Wochentagen lief derselbe Film für 2 Tage, an Sonntagen nur für den einen Tag. Man konnte also in einer Woche 4 verschiedene Filme sehen. Die Kinokarte kostete entweder 3 Shillings, 2 Shillings, 1 Shilling und 6 Pence oder 6 Pence.

Es kam schon einmal vor, dass alle 400 Kinoplätze ausverkauft waren. Die unteren Dienstgrade (z.B. Gunner) kauften sich meistens die günstigen Eintrittskarten für die vorderen Reihen, während die Offiziere hinten im Kino auf den teuren Plätzen saßen. Zu ihren Sitzen geführt wurden die Kinobesucher von Platzanweisern, alles verlief sehr geordnet. Genau kann sich Andrew nicht daran erinnern, ob im Kino geraucht werden durfte, er meint aber, es durfte.

Vor dem Hauptfilm wurden englische Nachrichten gezeigt. Ein großes Thema in den Nachrichten während seiner Oldenburger Zeit war Elvis Presleys Einberufung zum amerikanischen Wehrdienst. Viele VIPs kamen damals irgendwie um ihren Militärdienst herum, aber Elvis hatte sich wohl entschieden, seinen Beitrag zu leisten. Nach einer Grundausbildung in Amerika kam er in Deutschland an und sollte der Infanterie beitreten. An seiner Uniform steckten bei Ankunft drei Medaillen, was die britischen Soldaten mit Buhrufen und Gejohle zur Kenntnis nahmen, denn in der britischen Armee bekam man nur eine Medaille für eine besondere Leistung. Elvis hingegen hatte wohl eine Medaille für seine Ausbildung am Maschinengewehr und die anderen zwei vermutlich für die Tatsache, dass er überhaupt zum Wehrdienst nach Deutschland kam, erhalten. Aber ok, er war zu der Zeit schon weltberühmt! Abends in der NAAFI (Navy, Army & Air Force Institute) liefen häufig seine Songs wie „Blue Suede Shoes“.

Andrew erinnert sich auch daran, dass seine gesamte Geschützgruppe (46 Talavera HAA Battery) einmal zum GLOBE marschieren musste, wo ein militärischer Vortrag gehalten wurde. Der große Kinosaal mit 400 Sitzplätzen war dafür am besten geeignet.

Zu Johns Frage, was er von der bevorstehenden Sanierung des GLOBE halte, meint er: „I think it is a quite wonderful idea.“ Da er so viele Abende dort verbracht hat, liegt ihm das GLOBE sehr am Herzen. Er ist zugleich erstaunt und erfreut über diese Nachricht. Unglaublich, dass das GLOBE noch gerettet, saniert und für die Öffentlichkeit genutzt werden soll!

Andrew MacTavish lebt heute in Buckinghamshire.

Interview vom 20. Januar 2019: Dr. John Goodyear
Übersetzung und Zusammenfassung: Ellen Couzins

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