Kino und Kultur

John Waller

John Waller

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Am 5. November 1952 wurde ich in die Royal Artillery einberufen. Nach 10-wöchiger Grundausbildung in Tonfanau (Nordwales) wurden wir an die Woolwich Barracks im südöstlichen London versetzt, was nur einen kurzen Aufenthalt auf Abruf bis zur endgültigen Stationierung in einem Regiment bedeutete. Man teilte uns mit, dass wir entweder nach Korea oder Ägypten abberufen werden sollten. Glücklicherweise ging der Korea-Krieg gerade zu Ende, während die Stationierung am Suez Kanal der Unterstützung der britischen Präsenz diente.

Wie dem auch sei, ich wurde zum Regimentsbüro in Woolwich beordert, wo ein Offizier mich unterrichtete, ich solle im Hinblick auf einen Posten in Deutschland einen B2 Lehrgang besuchen, da ein Battery Chief Clerk wegen Entlassung aus dem Militärdienst ersetzt werden müsse. Dieser Posten bedeutete eine unmittelbare Beförderung zum Lance Bombardier (Dienstgrad) und zu einem späteren Zeitpunkt zum vollwertigen Bombardier (Dienstgrad). Sofort habe ich diese Chance ergriffen und wurde daraufhin von meinen Kameraden in der Woolwich-Kaserne getrennt. Sie versetzte man nach Ägypten.

Schon bald ging es auf den Weg zu den Crerar Barracks (Donnerschwee-Kaserne) in Oldenburg. Fünf weitere Kameraden begleiteten mich: zwei Köche, ein Musiker für die Militärband und zwei Funker. Unsere Überfahrt mit dem Britisch Rail Schiff „Vienna“ Richtung Hoek van Holland war bei rauer See fürchterlich. Ich musste in einer Hängematte schlafen, schon eine Kunst für sich, wie man da hineinkommt. Als ich einem Mitglied der Crew sagte, ich sei seekrank, meinte der nur, ich solle mich auf den Bauch legen. Er verriet mir jedoch nicht, wie ich das machen sollte, aber letztendlich gelang es mir.

In Hoek van Holland angekommen, wies man uns an, den blauen Zug zu besteigen, der via Osnabrück und Oldenburg Richtung Hamburg fuhr, der rote Zug ging nach Berlin, der grüne Zug Richtung Köln.

Bei Ankunft am Oldenburger Bahnhof wurden wir gegen 20:30h von einem Militärfahrer abgeholt, der uns zur Donnerschwee-Kaserne brachte. Anschließend folgte die Anmeldung in der Wachstube auf dem Weg zum 99 S/L Battery Office am hinteren Ende des Paradeplatzes links in der Ecke, günstig gelegen nahe beim Cookhouse (Kantine), denn man hatte uns einen Essensgutschein ausgehändigt. Diesen musste ich dem diensthabenden Koch zeigen. Ich war nach der langen Reise müde und ausgehungert. Nach dem Essen kehrte ich auf meine Stube zurück. Ehrlich gesagt, waren die Zimmer, verglichen mit denen der englischen Kasernen, wie Hotelzimmer: acht Betten, Doppelverglasung, vier Heizkörper, ein sauberer, glänzender Fußboden und Radiomusik.

Mir war anfangs unklar, warum nur zwei der acht Betten belegt waren, bis ich die beiden Kameraden fragen konnte. Die berichteten, dass die übrigen Kameraden z.Z. in Holland bei der Bekämpfung von Sturmschäden und Überschwemmungen aushelfen mussten, die einen Großteil des Landes bereits in Mitleidenschaft gezogen hatten. Diese Nordseestürme hatten ebenfalls die Ostküste Englands erreicht und da vor allem Canvey Island und die Norfolk Broads überschwemmt. Dort stand das Wasser zum Teil bis fünf Fuß (ca. 1,5 Meter) über normal. Unsere Männer wurden im Februar 1953 mit Suchscheinwerfern nach Holland geschickt, um vor Ort bei künstlicher Beleuchtung die Rettungsarbeiten zu unterstützen. Wenn ich mich recht erinnere, waren sie drei Wochen dort. Das war mein Einstieg in Deutschland.

Jetzt zu meinen Erfahrungen in der Kaserne selbst. Ich bereue es sehr, die deutsche Sprache nicht erlernt zu haben. Wie viele andere, lernte ich nur ein paar Worte, mit denen ich mich gerade so verständigen konnte. Ich hatte es gut, denn der NCO (Non Commissioned Officer entspricht einem Unteroffizier), verantwortlich für den Militärtransport (MT), zu dem die LKW, Suchscheinwerfer, Waffen und Land Rover gehörten, sprach fließend Deutsch.
Der ebenfalls deutschsprachige Ian Waters aus dem nordwestlichen London arbeitete in meinem Büro. Er war ein guter Freund und der ausübende Battery Chief Clerk, stand aber kurz vor seiner Entlassung aus der Armee. Er sprach nicht nur Deutsch, sondern auch Französisch und Spanisch. Sie werden also verstehen, wie wertvoll seine Sprachkenntnisse und Erfahrung für mich waren.

Unglücklicherweise war mein Sergeant Major schwierig im Umgang. Wir teilten uns das Büro. Er war bereits 25 Jahre beim Militär und mochte keine Wehrpflichtigen. Er umgab sich lieber mit Berufssoldaten. Er war der Ansicht, man könne in zwei Jahren keinen Soldaten aus einem Mann machen, denn „dies‘ ist die Britische Armee, in der Sie sich befinden“ (Zitat).

Hinsichtlich des Themas Unterhaltung hatten wir die NAAFI (Navy, Army & Air Force Institute) auf dem Kasernengelände. Auch gab es eine Turnhalle, in der ich viel Zeit verbrachte, sowie Tennisplätze hinter der NAAFI und dem RHQ (Regimental Headquarters entspricht dem Hauptquartier des Regiments).

Ich spielte fürs Regiment Hockey auf dem Kasernenplatz und Cricket gegen andere Einheiten der Armee, ganz zu schweigen von dem vielen Tennisspielen.

Außerhalb des Kasernengeländes in Donnerschwee gab es noch eine weitere NAAFI, die Heilsarmee (Salvation Army Club) und den Church Army Club. Dort konnten wir Telefongespräche mit der Heimat für zwei Shillings für vier Minuten anmelden.

In der Stadt selbst gab es ein Kino. Ich kann mich nicht mehr an dessen Standort erinnern, habe dort aber die „Glenn Miller Story“, „Annie get your gun“ und „Seven bridges for seven brothers“ gesehen. Ich liebe Musicals! Auch habe ich die Frauengruppe „Ivy Benson Band“ und einen Wrestling Kampf irgendwo gesehen.

Einige der Kameraden besuchten manchmal eine Kneipe außerhalb der Kaserne. Man ging dorthin durch die Kranbergstraße bis zur Donnerschweer Straße, dann ca. 150m nach links, wo sie sich auf der linken Straßenseite befand.

Spaziergänge am Kanal waren im Frühling und Sommer besonders schön.
Ich mochte Oldenburg sehr und hätte meiner verstorbenen Frau gerne alles gezeigt, aber leider ist das nie passiert.

Einer meiner Kameraden kaufte einen alten Mercedes, Zu viert, ich gehörte auch dazu, nahmen wir uns Urlaub und fuhren 1954 zum Formel-1 Rennen zum Nürburgring. Eine tolle Reise!

Während einer 3-wöchigen Nachtübung mit Suchscheinwerfern auf dem Fliegerhorst Wahnheide, südlich von Köln, hatten wir das große Glück, in einem Meteor Mk 11 Kampfjet mit Navigatorsitz mitfliegen zu dürfen. Der Flug zwischen Köln und Bonn am Rhein entlang dauerte ca. 20 Minuten. Die Suchscheinwerfer sollten den Jet in der Luft erspähen, aber die Jets waren zu schnell. Ich glaube, man hat die Suchscheinwerfer kurz nach meiner Entlassung vom Wehrdienst abgeschafft.

Zurück in der Donnerschwee-Kaserne trat wieder Normalität ein. Wir hörten AFN (American Forces Network) Bremerhaven, wo die Amerikaner stationiert waren oder BFN (British Forces Network) Köln. Es war ziemlich beeindruckend, ein Grundig Radio auf der Stube zu haben.
Mein Lieblingsprogramm war abends „Hill Billy Guest House“ auf AFN, Bremerhaven. „Sunday Forces Favourites“ auf BFN, Köln war ebenfalls populär.

John Waller lebt heute in Shoreham-by-Sea, West Sussex. (Anmerkung der Übersetzerin)

 

Bericht übersendet an Dr. John Goodyear
Übersetzung: Ellen Couzins

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