Loved Oldenburg - best camp ever!

John Walton

John Walton, 1956 in Wales

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John Walton wurde am 19. März 1938 in Bradley nahe Bilston (damals Staffordshire, heute West Midlands) geboren. Er verließ die Schule mit 15 Jahren, wie es ein Großteil der Jugendlichen damals tat, um zu arbeiten. Da er im industriellen Gürtel Englands, dem sogenannten „Black Country“ aufwuchs, arbeitete er zunächst in einer Glashütte und anschließend bei der Stadt in Walsall.

Mit 19 Jahren erhielt er seine Einberufung zum Pflichtwehrdienst im Herbst 1956. Von der 18-monatigen Wehrpflicht betroffen waren alle gesunden Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Da diese 1957 schrittweise abgeschafft wurde, war John Walton einer der letzten Pflichtsoldaten seit dem Beginn des britischen Wehrdienstes im Jahr 1947.

Für John ging es nach seiner Einberufung im Herbst 1956 zunächst in den kleinen Ort Gabowen (Shropshire) und Oswestry an der englisch/walisischen Grenze. Nach der dreimonatigen Grundausbildung wurde er an die Woolwich Kaserne in London versetzt. Als Gunner (Dienstgrad) teilte man ihn dem 44. Heavy Anti-Aircraft Artillery Regiment RA (44 HAA) zu und schickte ihn mit der Fähre nach Hoek van Holland und von dort aus mit dem Zug nach Oldenburg und schließlich mit dem Bus zur Donnerschwee-Kaserne (Crerar Barracks) in Oldenburg. In der Kaserne angekommen, gab es für John beinahe sofort ein zufälliges Wiedersehen mit zwei alten Klassenkameraden, von denen er sich auch heute noch mit einem (Wilf Amos) trifft. John lobt die solide gebauten Kasernengebäude in Donnerschwee. Von England war er damals Holzbaracken gewöhnt. Was die Verpflegung betrifft, so hat sich diese nach einem Besuch der Queen in der Woolwich Kaserne in London für die gesamte britische Armee auch im Ausland wesentlich verbessert. Auch wurde für die Soldaten ein gewisses Unterhaltungsprogramm in Kinos/Theatern angeboten. Dr. John Goodyear hat recherchiert, dass es Duzende davon im britischen Sektor gab. Die Armee besuchte A.K.C.-Kinos (Entertainments National Service Association), während der Air Force die ASTRA-Kinos zur Verfügung standen.

An das Globe in Oldenburg kann sich John Walton erinnern, obwohl er es nur einige Male besuchte. Zwei Filme, die er dort gesehen hat, waren „Die Brücke am Kwai“ (1957) und „Die Tommy Steele Story“ (1957). Das Globe fasste ungefähr 400 Soldaten. Ob man im Kino rauchen durfte, weiß er nicht mehr, aber erinnert sich, dass Zigaretten bei der NAFFI (Navy, Army & Air Force Institute) billiger waren als in England.

Zum Thema Freizeitgestaltung erzählt John, dass er nur wenig Kontakt zur lokalen Bevölkerung hatte. Eine Ausnahme war seine deutsche Freundin Frl. Holschuh, mit der er acht Monate ausging. Kontakt hatte er auch zur Inhaberin eines Fotogeschäfts (Frau Kniep) im Zentrum Oldenburgs. Sie unterhielten sich auf Englisch und manchmal lud sie sonntags Soldaten zum Tee ein. Ebenfalls im Zentrum in der Nähe des Schlossgartens befand sich der WRVS (Women’s Royal Voluntary Service). Dort konnten sich die Soldaten in ihrer Freizeit beim Tischtennis oder Teetrinken die Zeit vertreiben. Tischtennis war allerdings nicht Johns „cup of tea“; er spielte leidenschaftlich gerne Fußball (Centre-half) für das Regimentsteam in Oldenburg und später für einen englischen Amateurfußballclub (Bradley).

Seine Wehrdienstzeit in Oldenburg (Januar 1957-Dezember 1957) hat ihm gut gefallen. Er blickt sehr positiv darauf zurück und meint: „I thought it was great, I thought it was fabulous!“

Nach seiner Rückkehr 1958 nach England sah es beruflich sehr schlecht aus: Es gab wenig Arbeit. John brauchte ca. zwei Jahre, um sich nach seinem Wehrdienst wieder an den zivilen Alltag zu gewöhnen.

Interview vom 6. Juni 2018: Dr. John Goodyear
Übersetzung und Zusammenfassung: Ellen Couzins

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