Große Oper im GLOBE

Ron Large

Ohne Kontrabass geht nichts!

Download Interview-Abschrift (englisch, pdf)

 

Ron Large, geboren am 24.07.1933, machte nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung bei British Railways in Derby und studierte nebenher Musik. Nach bestandener Aufnahmeprüfung wurde er von der Armee in die Royal Artillery Band in der Woolwich-Kaserne in London mit dem Ehrenrang „Musiker“ aufgenommen. Achtzehn Monate spielte er dort, bevor man ihn wegen Überbesetzung von Kontrabassisten in die Royal Artillery Portsmouth Band in Oldenburg versetzte.

Die Reise dorthin im Februar 1956 verlief vom Bahnhof Liverpool Street in London mit einem Truppentransportzug zum Hafen Harwich Parkstone Quay, dann mit einer Nachtfähre nach Höke van Holland und von dort wiederum mit dem Zug durch eine verschneite Landschaft und herrlichem Essen im Speisewagen über Münster und Osnabrück nach Oldenburg.

Abends dort angekommen, zeigte man ihm seine neue Unterkunft in der Donnerschwee-Kaserne (Crerar Barracks) und erzählte ihm sofort vom GLOBE. Schon am ersten Abend besuchte Ron mit einem der Soldaten den englischen Musicalfilm Rose Marie. Er fühlte sich gleich heimisch; er empfand es, als ob er in England in eines der besseren Kinos ginge und lobt die gute Filmqualität und den guten Sound! Natürlich gab es im GLOBE auch Bühnenauftritte. Die Verdi-Oper „La Traviata“, aufgeführt von der Touring Opera Company „Stagione d’Opera Italiana“, La Scala, Milan, hat ihn tief beeindruckt. Sein Stuhl in der ersten Reihe ermöglichte ihm einen perfekten Blick auf das Orchester im Orchestergraben und hier vor allem auf den Kontrabassisten.

Selber hat Ron jedoch mit der Royal Artillery Portsmouth Band nie auf der Bühne des GLOBE gestanden. Vielmehr zog er häufig mit einer 7-köpfigen Teilbesetzung seiner Band als kleines Ensemble (6 Streicher, 1 Pianist) durch Deutschland und spielte in Schulen, auf NATO-Events, auf Veranstaltungen, usw.

Einen Auftritt der besonderen Art mit der gesamten Royal Artillery Portsmouth Band gab es während seiner Dienstzeit jedoch auch, so erinnert sich Ron amüsiert. Es war ein kleines Desaster, denn aufgrund falscher Kommandos des Sergeant Majors, begabter Musiker aber weniger begabter Befehlshaber, marschierte die Band beim Spielen auf dem gefüllten Exerzierplatz der Kaserne in alle Himmelsrichtungen.

Die Band bestand aus hochbegabten Berufsmusikern, von denen sich Ron noch gut an David Whitehouse (Fagottist und Altflötist), der heute in Worcester lebt, erinnert. Sie spielten einige Duette zusammen. Auch Leon Coats ist nach der Armeezeit nicht ganz aus seinem Leben verschwunden. Leon, heute wohnhaft nahe Edinburgh, war ein hervorragender Pianist und Hornist. Nach dessen Wehrdienst (National Service) wurde er Musikdirektor an der Universität Edinburgh. Auch viele andere Bandmitglieder brachten es zu Rang und Namen.

Wenn Ron nicht gerade stundenlang auf seinen Instrumenten übte, vergnügte er sich manchmal im Swimming-Pool der Donnerschwee-Kaserne oder ging nach Dienstschluss in die Stadt zum Stöbern in die Musikgeschäfte, zur YMCA, zu Konzerten in der Weser-Ems-Halle oder ins Staatstheater, wo er z.B. Othello (William Shakespeare) sah.

Im Juni 1957 endete die Wehrdienstzeit für Ron.

Von John befragt, was er von der anstehenden Sanierung des Oldenburger GLOBE Theaters halte, wird es ihm ganz warm ums Herz. Ein erstaunlicher, wunderbarer Plan!

Interview vom 5. Oktober 2018: Dr. John Goodyear
Übersetzung und Zusammenfassung: Ellen Couzins

Die Royal Portsmouth Band in der Donnerschwee-Kaserne 1956-1957

Zurück