You'll enjoy the new cinema!

John Walton

Bill Maybury beim Paddeln am Schloßgarten

Download Interview-Abschrift (englisch, pdf)

 

William Duckett Maybury, genannt Bill Maybury, geboren am 20.07.1935, bekam seine Einberufung zum britischen Pflichtwehrdienst im November 1953, absolvierte die zehnwöchige Grundausbildung bei der Artillerie in Oswestry nahe der walisischen Grenze und wurde anschließend in die Woolwich-Kaserne nach London versetzt. Dort erhielt Bill eine weitere Grundausbildung als Bürokraft. Nach deren Vollendung folgte die Versetzung ins 44th Heavy Anti-Aircraft Artillery Regiment nach Oldenburg.

Die Reise dorthin verlief als Truppentransport über Harwich und Hoek van Holland. Mit dem Zug in Oldenburg angekommen, holte ihn ein Armeetransporter am Bahnhof ab und brachte ihn zur Donnerschwee-Kaserne (Crerar Barracks), wo man ihn einwies und ihm ein Bett in einem Sechsbettzimmer zuteilte. In den ersten Tagen ging es hauptsächlich um das Kennenlernen des Armeealltags vor Ort. Erst danach wurden die Neuankömmlinge ihrem Aufgabenbereich gemäß neu eingeteilt und in die Unterkunft der entsprechenden Dienstgruppen verlegt.

Bills normaler Dienstalltag sah folgendermaßen aus:

06:30 Uhr Reveille (Weckruf), fertig machen, frühstücken, 08:30 Uhr Dienstantritt in Uniform im Büro bis zum Frühabend, danach Feierabend. Obwohl er als Bürokraft keine Märsche mitmachen oder Wache schieben musste, gab es manchmal Notfälle, in denen das Büro auch nachts besetzt sein musste.

Soldaten des Heeres hatten sich nach dem Frühstück auf dem Exerzierplatz aufzustellen, mussten sich einer Inspektion ihres Erscheinungsbildes unterziehen und eventuell zum Marsch aufbrechen oder andere Aufgaben erledigen.

Über die Donnerschwee-Kaserne, die Bill die „Oldenburg Barracks“ nennt, weiß er noch zu berichten, dass die SS im Krieg u.a. von dort operierte, bevor die Kanadier sie übernahmen und später an die Briten übergaben. Die RAF (Royal Air Force) operierte völlig unabhängig vom Militär vom Fliegerhorst in Oldenburg aus.

Täglich nach Dienstschluss, samstagnachmittags und sonntags hatte Bill frei. In Zivilkleidung (civies) verließ er dann die Kaserne und ging zum Essen zur NAAFI (Navy, Army and Air Force Institute). Das Kasernenessen schmeckte ihm nämlich nicht. Am Wochenende tat sich manchmal eine Gruppe befreundeter Soldaten zusammen, um in einem deutschen Lokal (Pub) zu essen. Aber auch die Kantine des Church Army Clubs suchten sie häufig auf, denn dort konnten sie sich ohne Verzehrzwang aufhalten und sich bei einer Tasse Tee die Zeit vertreiben.

Ein weiteres Freizeitangebot war das Militärkino. Ein relativ einfaches Kino ziemlich weit von der Donnerschwee-Kaserne entfernt (vermutlich das Kino am Osternburger Markt).

Bill erinnert sich genau, dass das heutige GLOBE im Oktober 1955 noch nicht auf dem Kasernengelände existierte, es befand sich zu der Zeit noch im Bau.

Hierzu erzählt er eine kleine Anekdote: Ein Brigadegeneral kam zur angekündigten Brigadeinspektion, die üblicherweise alle paar Jahre stattfand, im Oktober 1955 in die Kaserne. Die gesamte Bürobelegschaft hatte sich für diesen hohen Besuch in Schale geworfen. Die Uniformen waren gebürstet, die Stiefel gewienert und die Soldaten gut rasiert. Der General erkundigte sich nach der Arbeitsroutine und der Freizeitgestaltung. Er wollte von allen hören, wie überglücklich man doch sei, dass es demnächst ein GLOBE-Kino auf dem Kasernengelände geben werde. Bill, der quasi das Ende seiner Dienstzeit schon vor Augen hatte und wohl nie eine Vorstellung im neuen GLOBE sehen würde, wollte den begeisterten General nicht enttäuschen und meinte, das Kino sei eine sehr nützliche Neuanschaffung, zumal man sich dann den weiten Weg zum alten Militärkino in der Stadt sparen könne. Er traute sich nicht zu sagen, dass er demnächst die Armee verlassen würde.

Als John Bill fragt, was er von dem Erhalt und der Sanierung des GLOBE findet, ist er etwas erstaunt. Da er es ja nie fertig gebaut erlebt hat und seine Schönheit nicht kennt, versteht er es nicht ganz und fragt sich vielleicht, warum man in Oldenburg nicht einfach ein neues Kino in der Stadt baut.

Interview vom 18. Dezember 2018: Dr. John Goodyear
Übersetzung und Zusammenfassung: Ellen Couzins

Zurück