Warum ein GLOBE?

Der Bau und Betrieb von Truppenkinos scheint insbesondere bei der britischen Armee eine Selbstverständlichkeit gewesen zu sein. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die AKC (Army Kinema Corporation) gegründet, die die Truppenkinos der British Army betrieb. Die AKC hatte ihre Zentrale in den Kingsley Barracks in Minden und betrieb von hier aus 25 Kinos, die zumeist GLOBE hießen und fast alle bautypologisch weitgehend identisch waren. Fast alle sonstigen englischen Truppenkinos, die vorwiegend von 1947 - 1957 errichtet wurden, sind zwischenzeitlich verfallen, abgeräumt, zweckentfremdet oder wegen Baufälligkeit geschlossen und nicht betretbar. Außer dem Oldenburger GLOBE haben sich noch zwei weitere GLOBE´s erhalten. Sie stehen im nördlichen Ruhrgebiet und in Todendorf. Ihr Zustand ist aber wesentlich schlechter, so dass sie wohl nicht mehr gerettet werden können.

Warum das GLOBE in Oldenburg besonders "opulent" ausgestattet war und mehr einem Theater als einem reinen Kinosaal glich, ist Gegenstand unserer aktuellen Forschung. Es zeigen sich Hinweise darauf, dass die britische Armee dem Standort Oldenburg ein besonderes Gewicht geben wollte. Lange genutzt haben sie es nicht, 1957 ging das Gelände an die Bundeswehr über.

Nach dem Abzug der Briten wurden die Truppenkinos oftmals von der ab 1957 aufgebauten Bundeswehr übernommen und häufig auch von zivilen deutschen Kinobesitzern oder "Filmspediteuren" betrieben. So auch in Oldenburg, wo der Oldenburger Filmspediteur Bruno Saborowski ab ca. 1958 bis ca. 1990 sowohl das GLOBE als auch das Kino auf dem Fliegerhorst mit Filmkopien versorgte.

Die Geschichte des GLOBE im Kontext der Nachkriegszeit hat Andreas Büttner sehr schön auf den Seiten der Werkstatt Zukunft zusammengefasst.

Gene Kelly und Humphrey Bogart

Gene Kelly, Humphrey Bogart oder Doris Day waren die Stars, die im Januar 1957 im GLOBE über die Leinwand liefen. Dank dem 81-jährigen Andrew MacTavish aus Buckinghamshire, der eines der Programmhefte aus seiner Zeit in der Donnerschwee-Kaserne aufbewahrt hat, wissen wir nun etwas mehr über die Filme, die im GLOBE über die Leinwand flimmerten. MacTavish meldete sich nach einem Artikel in der britischen Tageszeitung "The Daily Telegraph" bei "GLOBE-Forscher" John Goodyear. Er war von November 1956 bis Mai 1957 in der Donnerschwee-Kaserne stationiert.

Programmheft Januar 1957 (pdf)

Loved Oldenburg - Best camp ever!

John Walton (Foto: privat)

Nach Artikeln über das GLOBE in der britischen Zeitung Express and Star meldete sich der 80-jährige John Walton aus Bilston in Mittelengland. Er ist der erste Zeitzeuge, mit dem Genossenschaftsmitglied und "GLOBE-Forscher" Dr. John Goodyear Ende Juni 2018 ein Interview führen konnte.

Mr. Walton war fast ein Jahr in 1957 in der Donnerschwee-Kaserne stationiert. In dem Interview spricht er über sein Leben als 20-jähriger Gunner in dem königlich-englischen Heavy Fla-Regiment 44. Sein Fazit: "Loved Oldenburg - best camp ever"! Im GLOBE war er allerdings eher selten, vorangige Freizeitbeschäftigung war Fußball! Auch an das alte Fotogeschäft Kniep am Markt hat er gute Erinnerungen: Dort gab es immer ein Schwätzchen und eine Tasse Tee.

Interview mit John Walton (englisch)

Vor dem Eingang zur Donnerschwee-Kaserne (2. v.r. John Walton)